Klischee-Archiv: Weibliche Hauptcharaktere

Du streckst die Hand nach der großen alten Tür mit der altmodischen Aufschrift Klischee – Archiv: Zutritt nur für Autoren aus und drückst sie vorsichtig auf. Vor deinen Augen erstreckt sich Reihe um Reihe von Schränken, große und kleine, protzige und schlichte, mal aus Holz, mal aus Metall. Unentschlossen siehst du dich um. In welchen Gang willst du heute gehen?

Zu deiner linken entdeckst du einen sehr hellen und offenbar auch viel benutzten Gang, denn der dunkelrote Teppich zeigt an dieser Stelle Spuren von sehr vielen Schuhen, die ihn schon betreten haben. Neugierig biegst du um die Ecke und siehst dich zwei Frauen, die sich über ein kleines goldenes Schränkchen beugen, gegenüber. Die brünette schaut nur kurz auf und vertieft sich dann wieder in den Zettel, den sie in der Hand hält, die blonde ignoriert dich völlig. Du nickst ihnen unverbindlich zu und setzt deinen Weg die Schrankreihe entlang fort. Etwa in der Mitte der Reihe bleibst du erneut stehen, weil ein gigantischer Schrank aus hellem Holz deine Aufmerksamkeit erregt hat. Er ist der größte, den du bisher im gesamten Archiv gesehen hast und trägt die Aufschrift: Weibliche Hauptcharaktere. Da kann ein Blick doch nicht schaden, oder?

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Eine Verdeutlichung deiner aktuellen Situation

 

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Klischee-Archiv: männliche Hauptcharaktere

Leise quietschend fällt die Tür hinter dir ins Schloss. Hat dich jemand gehört? Eigentlich hast du als Leser gar keinen Zutritt ins Klischee-Archiv, dieser Teil des Bookpalastes ist den Autoren, die nach Inspiration für ihren nächsten Bestseller suchen, vorenthalten. Neugierig siehst du dich um, aber ein bärtiger Mann wirft dir einen misstrauischen Blick zu, sodass du lieber schnell in die entgegengesetzte Richtung eilst. Niemand hier kennt dich, also kann auch niemand mit Sicherheit sagen, dass du hier nicht hergehörst, nicht wahr? Also Kinn hoch und selbstbewusst weitergehen! Na also, ist doch gar nicht so schwer.

Dein Blick wandert die langen Schrankreihen entlang und bleibt an einem der größten Schränke im Gang hängen. Er ist aus dunklem Holz gebaut und auf einem altmodischen Schildchen stehen in eleganter Schreibschrift die Worte Männliche Hauptcharaktere. Im Gegensatz zum Großteil der anderen in diesem Gang sehen die Griffe dieses Schrankes aus, als hätte so ziemlich jeder Autor, der das Archiv im letzten Jahrzehnt betreten hat, schon einmal einen Blick hineingeworfen. Ist ja auch verständlich, immerhin braucht jedes Buch einen guten Helden, nicht wahr?

schubladen

Du streckst die Hand nach der Tür aus und öffnest sie zögernd. Dein Blick fällt auf eine Unmenge an Schubladen, die jeweils mit einem winzigen Zettelchen beschriftet sind. Du kneifst die Augen zusammen um die Aufschrift direkt vor deiner Nase zu entziffern: Bad Boy. Vorsichtig öffnest du die Schublade und gehst sicherheitsshalber einen Schritt zurück, man weiß schließlich nie, was einem in diesem Palast so über den Weg läuft. Aber statt eines tollwütigen Drachen flattert dir nur ein Blatt Papier entgegen. Du bückst dich und hebst es misstrauisch hoch. Auf dem Zettel liest du folgendes:

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