Mein Leben für dich

„Aber nach den ersten Sätzen, die sie von sich gegeben hat, wusste ich Bescheid: Die Kleine ist schnippisch, launisch, eingebildet, verwöhnt und ziemlich aggro, was ihren Vater betrifft. Auf jeden Fall ist sie verdammt anstrengend und jeder Mann, ob Verbrecher oder Pressefuzzi, sollte eigentlich freiwillig einen großen Bogen um sie machen.“ (S.49*)

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Mein Leben für dich
Bildquelle: Loewe Verlag

  • Autorin: Annette Moser
  • Genre: Love-Story
  • Jahr: 2013 bei Loewe
  • Seiten: 348

Simon hat Mist gebaut. Jetzt sitzt sein Bruder seinetwegen im Knast und er selbst steht ohne Geld und Arbeit da. Doch dann bekommt er die Chance seines Lebens: als Bodyguard an der Seite der jungen Hotelerbin Mia.
Mia ist stinksauer, dass ihr Vater sie von ihrem Schweizer Internat genommen hat und jetzt auch noch einen Babysitter für sie engagiert. Darauf hat Mia herzlich wenig Lust und lässt Simon das auch sehr deutlich spüren.
Trotzdem kommen sich die beiden näher. Doch als sich Simons alte Gang einschaltet, wird ihre zarte Liebe auf eine harte Probe gestellt. Und Simon wird klar, dass er tatsächlich sein Leben für Mia gäbe …

Quelle: Loewe-Verlag


WARNUNG! WARNUNG!
Solltet ihr dieses Buch in irgendeinem Regal stehen sehen, schließt die Augen um das schreckliche Cover nicht mehr sehen zu müssen und geht schnell daran vorbei, damit ihr gar nicht erst auf die Idee kommt, es aufzuschlagen und den noch schrecklicheren Inhalt kennenzulernen.
Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt..

Nicht nur ein unangenehmer Protagonist, nein, es sind ZWEI!!

Einen unsympathischen Protagonisten kann man ja noch ignorieren oder sich auf die anderen konzentrieren und hoffen, dass es besser wird, aber ZWEI sprengen den Rahmen nun wirklich. Vor allem, wenn es die beiden Personen sind, aus deren Sicht das Ganze erzählt wird. Das überschreitet dann doch wirklich die Toleranzgrenze.

„Er wollte sich nicht unterkriegen und maßregeln lassen und vor Eintönigkeit irgendwann mit den Wochentagen durcheinandergeraten weil jeder einzelne gleich verlief.“ (Simon, S.8*)

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Simons Zeichnung als seine Lehrer fragten, wie er sich denn in 10 Jahren sehe.

Simon wäre ganz offensichtlich gerne einer von den richtig Coolen. Lieber tut er alles, um vom brandgefährlichen Anführer einer Straßengang, die sich mit „dem In- und Export von Autos“ und noch schlimmeren ihren Lebensunterhalt verdient, anerkannt und in die Gang der knallharten (und im Leben sicherlich sehr erfolgreichen) Jungs aufgenommen zu werden als sich mit seinem guten Realschulabschluss einen ordentlichen Job zu suchen. Aber nein, anstatt Vernunft anzunehmen, gibt er sich mit einem Job als Türsteher und einer mickrigen Wohnung zufrieden. Sehr sympathisch, oder?

Jetzt hatte er endlich die Chance, so richtig Karriere als Kleinkrimineller zu machen und seine erste Beute auf einem richtig echten Parkplatz mit richtig echten Zeugen zu knacken, aber was passiert? Der coole, toughe Simon kriegt doch tatsächlich einen Blackout! Und schon kommt Karma in Gestalt von Polizisten Cops daher und will ihm buchstäblich schon die Handschellen anlegen, da kommt der große Retter in glänzender Rüstung, auch bekannt als sein Bruder, ein weiterer richtig cooler Gangster, auf einem schwarzen Pferd angeritten und nimmt die Handschellen auf sich. Heldenhaft wie er ist, wandert er für seinen dummen kleinen Bruder in den Knast und gibt ihm in Letzter-Wunsch-Manier vor dem tragischen Hintergrund des Besucherraums im Bau den dringend benötigten Tipp „Mach was aus deinem Leben, Mann!“. Unser Möchtegern-Bad-Boy rutscht allerdings lieber auf Knien vor besagtem cholerischen (und auch viel älteren) Gang-Häuptling und fleht ihn an, ihm noch eine Chance zu geben und ihn wieder als Prügelknaben aufzunehmen. Dieser zeigt ihm als Strafe oder auch als Auf-die-Folter-Spannen erst mal die kalte Schulter, sorgt davor noch (indirekt?) dafür, dass sein Untergebener seinen ohnehin mies bezahlten Türsteher-Job verliert. Er, der ja jetzt neben seinem eigenen Saustall auch noch das Drecksloch, in dem sein (Knast-)Bruder hauste, bezahlen muss, schmeißt sich in seinen einzigen Anzug, schnappt sich sein Lieblings-Shakespeare-Heftchen und macht sich vollkommen unvorbereitet ohne irgendwelche Unterlagen abgesehen von seinem letzten Zeugnis auf den Weg zum Vorstellungsgespräch als Parkhaus-Nachtwärter (Übrigens: Shakespeare liest er gerne, aber ein „richtiges“ Buch ganz durchzulesen schafft er nicht. Da stehen ja zu viele überflüssige Sätze drin…).

Es kommt wie es kommen muss und er rutscht irgendwie in den Job als Mias Bodyguard herein, obwohl er gar keine Referenzen, geschweige denn eine Sicherheitsdienst-Ausbildung besitzt und darf sich jetzt mit Pressefuzzies und einer nervigen Protegée abgeben.
Dieses „Vorstellungsgespräch“ war übrigens auch interessant: Simon rennt in Mias Vater, einen reichen Hotelier hinein und was fällt ihm aus der Tasche? Sein rettendes Shakespeare-Heftchen! Glücklicherweise dasselbe Stück, das sich sein Töchterchen, das den alten Bodyguard ja leider zum Teufel geschickt hat, demnächst ansehen will und so ernennt er Simon kurzerhand zu Mias Aufpasser, ohne auch nur einmal (nicht einmal im Nachhinein) irgendwelche Recherchen/Nachfragen wegen Simons fehlender Papiere anzustellen. Sehr verantwortungsbewusst. Und Simon, was macht der? Sagt zu allem Ja und Amen, sobald er hört, dass er gut bezahlt wird und klärt das Missverständnis nicht auf, obwohl er sich ja wohl ausrechnen konnte, dass er im Nachhinein wegen Betrugs viel mehr Ärger kriegen würde. Aber gut, was erwarten wir denn von so einem coolen Jungen? Ehrlichkeit? Ein Gespür für sich anbahnenden Ärger und den Grips ihm aus dem Weg zu gehen?

So viel zu Simon, oder muss ich noch erwähnen, dass er seine Freundin mehr wie eine Affäre als wie eine feste Beziehung behandelt und bei Frustration gerne auch mal zur Flasche und zum Gras greift? Nein? Gut, dann widmen wir uns jetzt Miss Oberflächlich.

„Ich will in der Öffentlichkeit stehen und beliebt und sozial engagiert sein. Etwas Schöneres kann ich mir für mein zukünftiges Leben kaum vorstellen. Irgendwann werde ich vielleicht sogar meine eigene Stiftung gründen, überlege ich gedankenverloren. Die Mia-Falkenstein-Stiftung. Die Menschen werden gerührt und bewundernd zu mir aufblicken.“ (Mia, S.123*)

prinzessin

Und so weiter und so fort. Ich könnte noch tausende solcher Zitate bringen und sie würden alle genau dasselbe aussagen: Mia ist unglaublich oberflächlich und verwöhnt. Ihr einziges Ziel: ein „IT-Girl mit Niveau“ zu werden. Eins, das sich komplett aus Skandalen heraushält. Und was macht man da am besten? Sich unauffällig verhalten? Nein, man ekelt den eigenen Bodyguard in aller Öffentlichkeit (bei Starbucks!) davon, damit das auch ja keiner mitkriegt. Des weiteren stehen noch folgende Dinge auf Mias Wunschliste: ein super-flacher Bauch auch im Sitzen und ihr Traummann.

prinz

„Ob ich überhaupt jemals den Mann meiner Träume treffe? Einen, dem es nicht nur darum geht, zu posen und sich mit anderen zu messen, sondern mit dem ich reden kann und den es interessiert, was ich denke? Der mir richtig zuhört? Mit dem ich lachen und Spaß haben kann und der sich trotzdem nicht zu cool ist, zuzugeben, dass es abgesehen von der Sportschau und Boxkämpfen noch andere interessante Dinge gibt?“ (Mia, S.54*)

Ja klar, den kannst du dir bei Amazon bestellen. Einmal die ganzen Felder ausgefüllt, Adresse und Papis Kreditkartennummer eingetippt und – schwupps – drei bis vier Werktage später ist er da!

Blöd nur, dass Mia nicht alleine im Rampenlicht stehen darf, nein, da gibt es ja jetzt den neuen Bodyguard, der ihr tiiiiierisch auf die Nerven geht, weil er ja nicht weiß, wie man sich in der Öffentlichkeit angemessen benimmt und auch nicht versteht, wieso sie als 17-jährige mittags schon Champagner trinkt. Aber das Beste: Im einen Moment lehnt sie ihn von ganzem Herzen ab, aber kaum stellt er sich für sie einem lächerlichen Klatschreporter, will sie nicht mehr, dass er geht.

Das ist doch eine wirklich, wirklich nette Person…

Übers Ziel hinausgeschossen: Ausdruck

„Das Monck ist eine ziemlich abgefuckte Kneipe in der Sternschanze.“ (Simon, S.16*)

„So zu tun, als wäre alles easy, fühlte sich an diesem Ort falsch an.“ (Simon, 6*)

Brauch ich noch weitere Beispiele? Diese sehr bemühte (und wirklich realitätsnahe) Jugendsprache holt uns Teenager doch direkt da ab, wo wir stehen: Bei Ausdrücken wie abgefuckt. Tut mir echt vooooll leid, aber das check´ ich nicht.
Diese Ausdrücke waren wohl dafür gedacht, uns Simon noch unsympathischer zu machen und seinen Wunsch nach Coolness sowie seinen sozialen Status näherzubringen, aber mir war es schon nach dem ersten Kapitel zu viel.

Andere Dinge, die man sich bewusst machen sollte, wenn man einen „witzigen“ Ausdruck nicht überstrapazieren will: Benutze ihn nicht zu oft, irgendwann ist es einfach nicht mehr lustig. Ich sage ja nur: „Haariger Zwerg“, Mias liebevolle Bezeichnung für ihren früheren Bodyguard. Ja, wir haben es kapiert, der Kerl heißt Berg, aber sie dachte, er hieße Zwerg und er hat Haare an den Armen. Soll vorkommen. Aber statt es irgendwann mal gut sein zu lassen, wird der haarige Zwerg immer wieder bemüht! Arghh…

A Happy End to Everyone!

Okay, tun wir nicht so als wäre das hier ein Spoiler, aber wenn dir das Cover noch nicht alles gesagt hat und du nach dieser Rezension noch das Buch lesen willst, dann überspringst du am besten diesen Absatz:

Ohne eine Grundsatzdebatte zum Thema Happy End loszutreten, lasst mich folgendes sagen: Ein Happy End für Mia & Simon wäre ja noch okay. Nicht überraschend, aber okay. Aber nein, es gibt ein Happy End für alle, und ich meine wirklich ALLE, die irgendein Problem hatten:

  • Mr. Falkenstein & seine heimliche Liebe Renate, die Empfangsdame
  • Mr. Falkenstein & sein kleiner Sonnenschein konnten ihre Beziehung reparieren
  • Mr. Falkenstein & sein Bodyguard, den er dummerweise ohne Überprüfung angestellt und der ihn (oder vielmehr seine Tochter)  natürlich in große Schwierigkeiten gebracht hat
  • Simon & sein Brüderchen, der Gangster
  • die Gang & die Polizei…

All diese Kritiken zusammengenommen geben gar kein gutes Bild von Mein Leben für dich ab, aber bekommt es gleich den Stempel HÄNDE WEG! aufgedrückt?
Die Anklagepunkte lauten daher noch einmal in aller Kürze:

  1. Simon: unrealistischer und unsympathischer Protagonist
  2. Mia: NOCH EIN UNSYMPATHISCHER PROTAGONIST
  3. ein unglaublich nerviger Schreibstil durch bemühte Jugendsprache, die ungefähr so gut zum Inhalt passt wie der Kopf ins Klo
  4. Wiederholt den selben Witz zu reißen macht ihn auch nicht lustiger: siehe „Haariger Zwerg“
  5. ein Happy End für wirklich ALLE Beteiligten, selbst der unwichtigste Nebendarsteller geht nicht leer aus
  6. Spannung. Welche Spannung?

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Urteil: Schuldig. Aber wo was von schuldig. Wer etwas einzuwenden hat, möge jetzt sprechen oder auf ewig schweigen.

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*ISBN: 978-3-7320-0102-6 (eBook)

Da ich stark vermute, dass du lieber negative als positive Rezensionen liest, klicke dich doch mal durch die mit einem Stern bewerteten Bücher oder, wenn du nicht ganz so radikal bist, schau dir die zwei-Sterne-Bewertungen an.

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13 Gedanken zu „Mein Leben für dich

  1. Worte wie Pressefuzzi, aggro, zu cool, Boxkämpfe, abgefuckt(!) und easy gehören in absolut kein Buch! Das besagte Autorin nicht selbst verlegt, und ein Verlag sich wirklich so etwas annimmt überrascht mich aber doch sehr extrem.
    Die Rezi war auf jeden Fall sehr lustig und unterhaltsam, danke dafür 🤗

    Gefällt 1 Person

  2. Die Rezi hat wirklich Unterhaltungswert. So habe ich mich zuletzt gefühlt, als ich mit einem Fantasy-Schinke durch war, der total gehyped wurde, aber nicht mehr drauf hat als Zahnbelag – und nen Elf mit nem geilen Arsch … Zumindest war das alles, womit er sich qualifizierte, der Leibwächter der heimgekehrten Prnzessin zu sein. In drei Wochen in der magischen Welt schaffte es keiner der irrelevanten und blassen Nebencharaktere, der Protagonistin mal neue Klamotten zu geben, denn als sie zum Weltretten aufbrach steckte sie immer noch in den Jeans, die sich schon mehrere Wochen in der Zwischendimension getragen hatte.
    Fehler in Büchern sind ja das eine, aber grober Unsinn zu einem ‚Plot‘ zusammengestrickt ist das andere. Und das Buch hier klingt total danach. ^^
    Aber die Meinungen darüber sind durchaus amüsant. *G*
    Danke dafür.

    Liebe Grüße,

    Sylvia

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Sylvia,
      die Klamottenfrage ist ja auch in Filmen immer wieder interessant zu beobachten. Da erleben sie die krassesten Abenteuer, bei denen sie sich doch an irgendeinem Punkt mal dreckig machen MÜSSEN, aber nein, wenn dann der Bösewicht besiegt ist, tragen sie immer noch dasselbe, das aber komischerweise nicht mal sonderlich schmutzig ist.
      Manche Autoren scheinen der Meinung zu sein, dass die Protagonistin den Helden allein deshalb gut finden muss, weil er sie ein-, zweimal vor einer winzigen Katastrophe beschützt und in den Bodyguard muss man sich ja schließlich verlieben, nicht wahr?

      LG Johanna

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  3. Pingback: Klischee-Archiv: Weibliche Hauptcharaktere | Bookpalast

  4. Hallo,
    bisher hatte ich nur ein Buch, dass ich schlecht fand. Ich hab versucht, es sehr objektiv zu beschreiben. Denn mein Fall war es nicht, aber natürlich könnte jemand anders genau das total mögen.
    Deine humorvolle negative Bewertung finde ich aber besser. So humorvoll schreiben ist schwierig, Hut ab.

    Gefällt 1 Person

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