Angel Hunter

*“Ich sollte eigentlich vor Glück jubeln, dass so ein Traumtyp mich gerettet hat. Aber wie hat er das angestellt? Womit hat er fünf schwer bewaffnete Männer umgehauen?“

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Angel Hunter
Bildquelle: der OnleiheVerbundHessen

  • Autorin: Anne Farrell
  • Genre: Fantasy
  • Jahr: 2016 bei Ueberreuter

Gerade frisch nach New York gezogen, trauert die 16-jährige Jenna immer noch um ihren Vater, der vor wenigen Wochen von Unbekannten ermordet wurde. Da wird sie plötzlich selbst von fünf Männern in langen schwarzen Mänteln auf dem Friedhof angegriffen. Nur knapp kann sie mit Hilfe eines gut aussehenden Unbekannten entkommen. Doch dieser scheint nicht ganz bei Verstand zu sein, erzählt er ihr doch unglaubliche Geschichten: Die Angreifer seien angeblich sogenannte »Angel Hunter«, Auftragskiller des Himmels, die im Namen der Erzengel Jagd auf Halbengel machen. Bei ihrem Vater waren sie bereits erfolgreich, nun sei Jenna ihr nächstes Ziel. Jenna glaubt dem geheimnisvollen Garret kein Wort, dennoch lässt sie sich darauf ein, gemeinsam mit ihm vor den »Angel Huntern« zu flüchten. Doch welches verhängnisvolle Geheimnis verbirgt Garrett eigentlich vor ihr?

Quelle: Ueberreuter


Einige Worte im Voraus:

Ich habe in letzter Zeit festgestellt, dass viele Leute lieber negative als positive Rezensionen lesen. Woran liegt das? Schadenfreude? Unterhaltung?
Wie auch immer, solltest du zu dieser Gruppe gehören, fahre deinen Computer runter und denke über deine Einstellung nach! Sofort!

Noch da? Tja, offenbar willst du nicht auf einen gut gemeinten Ratschlag hören oder du hast kurz nachgedacht und an deinem Verhalten nichts negatives gefunden. Nun gut, du hast es nicht anders gewollt, hier kommt meine Rezension zu diesem absolut wundervollen Buch…

Die wunderbarste Protagonistin auf diesem Planeten

Ich muss sagen, mir war selten eine Protagonistin so dermaßen unsympathisch. Sie verhält sich wie ein unreifer Teenager, ist naiv bis zum Abwinken und läuft noch dazu in jedes Messer, das ihren Weg kreuzt.

„Seit dem Vorfall vor drei Monaten hasst mich meine Mutter. Nicht öffentlich, denn sie ist ja meine Mutter und da ich erst sechzehn bin, muss sie noch zwei Jahre so tun, als würde sie sich gern um mich kümmern. Doch im Grunde ihres Herzens ist sie froh, wenn diese zwei Jahre rum sind und sie mich endlich rausschmeißen kann. Dass sie mich endlich aus ihrem Leben streichen kann.“ (S.5*)

Circa ein Drittel des kompletten Buches besteht aus Sätzen wie diesem. Meine Mutter hasst mich, sie ignoriert mich, gibt mir die Schuld, würde mich am liebsten tot sehen, bla, bla, bla… Ja, sicher, es tut weh, ignoriert zu werden, aber Jenna versucht nicht einmal, ihre Mutter zu verstehen. Sie hat gerade ihren Mann verloren, es könnte ja unter Umständen möglich sein, dass sie um ihn trauert und eine schwierige Zeit durchmacht, nicht wahr?

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Trotz allem sucht sie nach Aufmerksamkeit, färbt sich die Haare abwechselnd Rot und Lila – und sagt gleichzeitig, Rebellion sei nicht so ihr Ding. Ne, gar nicht. Es ist schon kaum mehr nötig, in diesem Buch zwischen den Zeilen zu lesen, im Gegenteil, die Information drängt sich dem Leser förmlich auf, quillt sozusagen zwischen den Zeilen hervor wie grüner Glibberschleim zwischen Monsterzähnen.

„Zu Beginn des Schuljahres bin ich träge, gegen Ende werde ich fleißig und reiße dann alles wieder raus. Klar, es würde mir besser bekommen, wenn es anders wäre, aber es geht nun mal nicht.“ (S.9*)

faultier

Eine weitere äußerst sympathische Eigenschaft unserer lieben Jenna ist die folgende:
Sie sucht den Fehler nicht bei sich. Niemals. Ganz nach dem Motto: „Ich könnte es zwar besser machen und weiß auch, dass es wirklich wichtig für meine Zukunft ist, dass ich mich jetzt mal aufraffe, aber was soll ich sagen, es geht einfach nicht.“ Und es ist nicht erst seit dem Tod ihres Vaters so, das wäre ja verständlich, wenn sie da andere Sorgen hätte, aber anscheinend schon immer, und zwar wirklich schlimm, sodass ihre Lehrer schon seit der ersten Klasse wegen ihrer Noten bei ihren Eltern angerufen haben. Und trotzdem ist sie so faul wie ein Faultier im Winterschlaf.
warnschild

Und nun kommt meine absolute Lieblingseigenschaft bei Protagonisten: Naivität bis der Arzt kommt.
Abgesehen davon, dass Jenna sofort mit dem großen unbekannten Retter mitgeht, der ja immerhin gerade unbewaffnet mehrere Männer unschädlich gemacht hat, dessen Motivation, geschweige denn dessen Namen sie nicht kennt. Naiv genug, aber es geht noch so viel blauäugiger: Aus dem Klapptext geht ja bereits hervor, dass die Angel Hunter sie jagen und es ergibt sich die folgende Situation:
Jenna ist in Sicherheit, weiß aber, dass die Hunter nach ihr suchen. Sie liest ihre Mails und dabei ist eine Nachricht einer Mitschülerin, mit der sie noch nie ein Wort gewechselt hat. Diese schreibt ihr, dass Jennas Mutter einen Unfall hatte und im Krankenhaus liegt.
So weit, so offensichtlich. Anstatt erst einmal darüber nachzudenken, warum ausgerechnet diese Mitschülerin das Bedürfnis verspüren sollte, ihr vom Unfall ihrer Mutter zu berichten, und dass es eventuell, aber auch nur eventuell eine Falle sein könnte, rennt sie sofort aus der sicheren Umgebung ohne irgendjemanden um Hilfe zu bitten und geradewegs in die Arme ihrer Verfolger. Und nennt mich herzlos, aber ich finde, das hat sie verdient. So viel Dummheit gehört bestraft. Also echt, sie wäre wahrscheinlich auch blind losgerannt, wenn in der Betreffzeile der Mail Beispiel einer Falle – so locken Sie Ihr naives Opfer aus der Sicherheit gestanden hätte. Es tut fast weh, so offensichtlich ist das.

Nicht ganz zu Ende gedacht: Ungereimtheiten und Widersprüche

Die Grundidee, die hinter dem Ganzen steckt, ist eigentlich gar nicht so schlecht, nur ist vieles einfach nicht zu Ende gedacht worden oder ganz einfach schlecht beschrieben.

Der Klapptext verrät uns ja bereits, dass Jenna auf dem Friedhof von Fremden angegriffen und von einem Unbekannten gerettet wird.
Jenna wird urplötzlich aus dem Nichts heraus beschossen, sie hat niemanden kommen sehen, glaubte sich völlig allein. Der Schuss fällt, sie weiß sofort, dass es ein Schuss ist, obwohl sie das Geräusch wohl noch nicht allzu oft außerhalb diverser Krimiserien gehört haben dürfte (beim Mord ihres Vaters war sie nicht dabei), aber sie weiß sofort, dass es ein Schuss ist, hat auch keinerlei Schrecksekunde, sondern duckt sich sofort. Kaum ist sie kurzzeitig aus der Schusslinie sucht sie schon nach Erklärungen statt sich zu überlegen, wie sie wohl am besten aus der Situation heraus kommt. Ist sie vielleicht in einen Gang-Streit geraten? Und das beste: Sie scheint überhaupt keine Angst zu haben. Nichts. Kein Satz in Richtung Mein Herz raste wie verrückt. War das etwa ein Schuss? oder Ich hörte nur noch das Blut in meinen Ohren rauschen, meine viel zu schnellen Atemzüge… Gar nichts. Keine Gefühle, keine Panik, kein Mein-Leben-zieht-an-mir-vorbei-Moment.

Dann kommt die Rettung inklusive Flucht, die sich ähnlich authentisch gestaltet. Kaum hat der mysteriöse Unbekannte die Bösen außer Gefecht gesetzt, gehen sie zum U-Bahnhof und warten seelenruhig auf den nächsten Zug. Keine Eile, keine Panik, keine Sorgen. Und Jenna hat wirklich die Ruhe weg, sie kann sogar in einer solchen Situation noch die Unterschiede zu Filmen feststellen. Sehr authentisch, wirklich.

„“Hier sagte er und drückt mir einen Fahrschein in die Hand. Diesen lösen wir ganz brav, als hätten wir alle Zeit der Welt und stellen uns dann zu den anderen Wartenden, denn das echte Leben unterscheidet sich vom Film auch darin, dass nicht immer ein Zug wartet.“ (S.19*)

Ein anderer kleinerer Widerspruch, der mich trotzdem stutzen ließ: Erst sagt sie, Sport sei eines der wenigen Fächer, in denen sie gut ist und 50 Seiten später hasst sie Sport. Applaus!

Des weiteren bringt Jenna ein wahres Wunder zustande: Sie kann auf einem schnell fahrenden Motorrad seelenruhig schlafen. Während sie sich an ihrem Vordermann festhält. Ohne Runterzufallen. Respekt!

Spannung, wo bist du?

Wirklich, dieses Buch war so spannend, dass ich es in einem Rutsch durchgelesen habe, ich konnte gar nicht mehr aufhören, weil mich die Handlung so gefesselt hat. Es war so rein gar nicht vorhersehbar, was geschehen würde und anders als bei vielen anderen Büchern hat der Klapptext auch nicht die gesamte Handlung verraten. Wirklich, bravo!

Noch etwas zum Lachen: zwei Zitate

„Ich schüttelte den Kopf. Das ist nicht schwer zu verdauen, es ist blanker Mumpitz.“ (S.24*)

Was ist denn bitteschön Mumpitz? Eine zeitgemäße Sprache hat sie ja drauf, unsere Autorin…

„Er reicht mir ein sauberes T-Shirt, das zwischen den Handtüchern gelesen hat.“ 8S.21*)

Ich kann es mir lebhaft vorstellen. Das T-Shirt zieht sich inmitten der ganzen Handtücher einen richtig dicken Schmöker rein…

Fazit:

Alles in allem möchte ich euch raten, um Angel Hunter und Ueberreuters knallpinke Website einen großen Bogen zu machen, denn die Protagonistin ist blauäugiger als Rotkäppchen, fokussiert auf unwichtige Themen. Die Handlung ist vorhersehbar bis ins Detail und gleichzeitig so sinnvoll wie in Auto in Venedig, während sich die Spannung wohl Urlaub genommen hat.
Aber es gibt durchaus auch einen positiven Punkt: Das Buch ist wie ein Pflaster, es tut kurz weh, aber immerhin ist es schnell vorbei.

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Ein einsamer Stern…

*ISBN: 9783764190934 (eBook)

Allen denjenigen, die diese Rezension aus purer Schadenfreude gelesen haben, möchte ich Cupida – Mitten ins Herz ans Herz legen.

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6 Gedanken zu „Angel Hunter

    • Vielleicht haben wir verschiedene Bücher mit dem gleichen Titel und demselben Cover gelesen? Ich kann mir leider nicht vorstellen, welchen Schrott du vorher gelesen haben musst, um im Vergleich dieses Buch gut zu finden…

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        • Nein, natürlich nicht, aber es ist einfach sehr schwer nachvollziehbar für mich, dieses Buch gut zu finden. Wenn es dir gefallen hat – gut, freut mich für dich, aber verstehen kann ich es nicht. Verstehe mich bitte nicht falsch, klar, du kannst deine eigene Meinung haben, aber ich muss ihr noch lange nicht zustimmen, genau wie du mir nicht zustimmen musst.

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