Dark Elements#1 – Steinerne Schwingen

„Die Hölle sucht nach dir, Layla, und jetzt hat sie dich gefunden.“ (S.34*)

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Dark Elements – Steinerne Schwingen
Bildquelle: OnleiheVerbundHessen

  • Autorin: Jennifer L. Armentrout
  • Genre: Fantasy
  • Reihe: Dark Elements#1
  • Originaltitel: White Hot Kiss
  • deutsche Ausgabe: 2015 bei HarperCollins YA!
  • Seiten: 448

Ich kann Dämonen aufspüren, denn ich bin eine von ihnen. Ich kann den Menschen bis in die Seele schauen. Und ich kann sie ihnen rauben – mit einem Kuss. Nichts wünscht Layla sich sehnlicher, als ein ganz normaler Teenager zu sein. Aber während ihre Freundinnen sich Gedanken um Jungs und erste Küsse machen, hat sie ganz andere Sorgen: Layla gehört zu den Wächtern, die sich nachts in Gargoyles verwandeln und Dämonen jagen. Doch in ihr fließt auch dämonisches Blut – und mit einem Kuss kann sie einem Menschen die Seele rauben. Deshalb sind Dates für sie streng tabu, erst recht mit ihrem heimlichen Schwarm Zayne, dem Sohn ihrer Wächter-Ersatzfamilie. Plötzlich wird sie auf einem ihrer Streifzüge von dem höllisch gut aussehenden Dämon Roth gerettet ? und er offenbart ihr das schockierende Geheimnis ihrer Herkunft!

Quelle: HarperCollinsGermany


Wow, ich bin begeistert! Dark Elements gehört ab jetzt zu meinen Lieblings-Fantasy-Büchern, was umso überraschender ist angesichts dieses Klapptexts, der nicht gerade dazu beiträgt, dieses Buch lesen zu wollen. Ich weiß nicht genau warum, aber die Tatsache, dass die Hauptperson zum Teil ein Stein sein soll und dazu diese Fixion auf ihr (nicht existierendes) Liebesleben fand ich nicht so einladend. Andererseits hatte ich hauptsächlich Gutes gehört und – tatsächlich, man kann euch vertrauen! – kann ich das zum Glück nur bestätigen.

 

„Ein Dämon trieb sich bei McDonald´s herum.“ (S.6*)

Oder alternativ:

„Schreib den ersten Satz so, dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen will“ ~ William Faulkner

Diesen Rat hat sich die Autorin wirklich zu Herzen genommen, denn mit diesem ersten Satz packt sie den Leser bei den Ohren und zieht ihn ins Buch hinein, wo er auch die nächsten Stunden/Tage nicht mehr herauskommt, denn der Schreibstil bleibt fantasievoll und einfach. Es wird nicht an sarkastischen Ausdrücken gespart, die mich mehr als einmal zum Grinsen gebracht haben. Auch an Spannung fehlt es nicht, mehr sage ich dazu nicht, sonst wäre´s ja langweilig.
Für so einen gelungenen Anfang und durchgehend packenden Schreibstil vermerke ich schon mal ein dickes, fettes PLUS auf meiner imaginären Liste.

Layla – oder die Kunst, nicht zu übertreiben

Layla, 17, ist unsere liebe Protagonistin und eine angenehme noch dazu. Sie ist die „Tochter einer dämonischen Mutter, der [sie] nie begegnet war, und eines Vaters, an den [sie sich] nicht erinnern konnte.“ (S.28*) Dazu muss gesagt sein, dass ihr Vater ein Wächter ist, sie selbst ist also zur Hälfte das Wesen, das ihre andere, ihre dämonische Hälfte, gerne vernichtet hätte. Und umgekehrt. Sie ist von den Wächtern adoptiert worden und so erzogen, dass sie ihre dämonische Seite verleugnet, denn alle Dämonen sind ausnahmslos böse, aber trotzdem bleibt die Tatsache, dass sie dämonische Fähigkeiten wie das Sehen von Seelen und ihrem Hunger nach eben diesen Seelen besitzt.
Um den Wächtern ein wenig zu helfen und sich nicht ganz so nutzlos zu fühlen, markiert Layla nach der Schule Dämonen, damit sie von den Wächtern später einfach gefunden werden können.
Aber das eigentlich beste und unklischeehaftigste an ihr ist folgendes: Sie kann sich zwar verteidigen, ist aber weder Yoda noch Karate-Kid, was sie seeeeehr sympathisch macht. Schön auf dem Teppich geblieben!!

 

„Stock und Stein brechen mein Gebein,
doch dich hau ich kurz und klein“ (S.19*)

Diese kunstvollen Verse stammen von Roth, besagtem Dämon, der zu Laylas Rettung herbeieilt. Mit diesem Charakter hat die Autorin sehr, sehr tief in die Klischee-Schublade mit der Aufschrift Bad Boy gegriffen und passend dazu ist unser kleiner Roth mit Charaktereigenschaften wie Arroganz in astronomischen Ausmaßen, Schlagfertigkeit und Sarkasmus ausgestattet. Aber gut, er ist eben ein Dämon, was will man da machen?

bambi

Obwohl er ein lebendes Klischee ist, ist er mir trotzdem nicht unsympathisch, vor allem, weil er durchaus auch mit vielen ein paar positiven Charakterzügen ausgestattet ist (Sarkasmus zähle ich dazu!), er mag z.B. Muffins. Ja gut, das sollte jetzt nicht das ausschlaggebende Argument sein, aber trotzdem! Noch etwas Positives … Er nennt seine riesige Dämonen-Schlange Bambi. Das spricht doch für seine Fantasie, und die magst du auch, sonst würdest du dir ganz bestimmt keine Rezension eines Fantasy-Romans durchlesen. Und schon gar keine positive!

Ein Beispiel für lässige und gar nicht so dermaßen unsympathische Arroganz (in einem Buch, Jungs!!!) will ich doch noch loswerden. Es geht übrigens ums Markieren, als Layla sich fragt, warum zum Teufel das bei Roth nicht klappt. Seine unglaublich informationsreiche Antwort:

„Bei Hohedämonen funktioniert das nicht. Wir sind für so was viel zu cool.“ (S.43*)

 

Alles in allem wirken die Charaktere authentisch, Laylas innerer Konflikt ist gut nachvollziehbar, also gibt es auch in diesem Punkt ein PLUS auf der Liste.

 

Die Idee – fantasievoll oder abgegriffen?

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Dieses ganze Himmel-Hölle-Dämonen-Konstrukt wird in jedem vierten Fantasy-Roman bemüht, und wenn schon nicht in dieser Form, kommt garantiert ein Engel darin vor, oder wie auch immer geartete Abkömmlinge oder Untergebene. Und Dämonen. Und die sind meistens hirnlos und böse. Wo wir gerade davon reden, hat jemand schon mal ein Buch gelesen, in dem die Dämonen die Guten und die Engel (oder irgendwelche Vertreter) die Bösen waren? Wäre mal interessant… Sollte jetzt jemanden von euch die Schreiblust packen, ich hätte gerne ein Exemplar!

Also ja, dieses Konzept wird oft bemüht, aber es geht mir immer noch nicht auf die Nerven, vielleicht mag ich es dafür einfach viel zu gerne, Cassandra Clare sei Dank.

Trotzdem bekommt jedes (gute) Fantasy-Buch á la Himmel und Hölle immer noch seinen eigenen Touch dazu, und die fantasielose Grundidee darunter fällt gar nicht mehr so sehr auf.

Wie auch immer, ich mag diese Idee trotz all ihrer Gewöhnlichkeit. Punkt.

 

Offene Fragen

Leider ist es ja oft so, dass Fantasy-Autoren fast schon zwanghaft bemüht sind, alle von der Menschheit für Unfälle gehaltenen Vorkommnisse zu erklären und irgendwie mit der erschaffenen eigenen Welt in Verbindung zu bringen und das nimmt dann oft Überhand.
In diesem Buch gab es folgende Stelle dieser Art, die man sich hätte sparen können:

„Wenn zwei Dämonen aufeinander losgingen, brachten sie schon mal ganze Gebäude zum Einsturz. Schadhafte Fundamente? Falsch berechnete Dachkonstruktionen? Von wegen. Das war meistens das Werk von Dämonen, die sich gegenseitig auf Leben und Tod bekämpften.“ (S.17)

Aber wie sagt man so schön? Einen Fehler zu machen ist verzeihlich, denselben Fehler zweimal zu machen, ist dumm. Oder so. Jennifer Armentrout war jedenfalls nicht dumm, ein weiterer Patzer ist mir nicht aufgefallen.

Stattdessen ist doch tatsächlich eine Frage offen geblieben. Ihr müsst wissen, dass die Menschen von den Wächtern wissen, von den Dämonen aber keine Ahnung haben und auch keine haben dürfen. Die Wächter haben sich erst vor einigen Jahren zu erkennen gegeben und die Leute wissen, dass sie sie beschützen sollen. Tja, wenn sie aber nichts von den Dämonen ahnen, wovor, glauben sie, beschützen sie die Wächter? Darauf habe ich keinerlei Hinweise finden können…

 

Insgesamt ist Dark Elements – Steinerne Schwingen ein sehr, sehr gelungener Fantasy-Roman mit einem mitreißenden Schreibstil von der ersten Zeile an, sympathischen Charakteren und authentischen Problemen. Die Grundidee ist nicht die neueste, aber trotzdem unterhaltsam und die Welt ist in sich geschlossen, wobei ein winziges Detail ungeklärt bleibt.

 

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*ISBN: 9783959679824

 

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4 Gedanken zu „Dark Elements#1 – Steinerne Schwingen

  1. Pingback: Dark Elements #2 – Eiskalte Sehnsucht | Bookpalast

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