Cupida – Mitten ins Herz

„Plötzlch war alles, jeder Gegenstand und jedes Detail, viel bunter, klarer und strahlender. Als Ob Sara bisher immer nur durch graue, verdreckte Brillengläser gesehen und sie jetzt endlich abgelegt hätte.“ (S.29*)

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Cupida – Mitten ins Herz
Bildquelle: OnleiheVerbundHessen

  • Autorin: Patricia Eckermann
  • Genre: Fantasy
  • Jahr: 2016 bei ueberreuter

Beim Schulausflug ins Museum stößt Sara mit einem mysteriösen Fremden zusammen. Der blondgelockte, braungebrannte Surfertyp stellt sich als »Cupido« vor und behauptet, der römische Liebesgott zu sein. Und da er gerade zu viele Liebende zu verkuppeln hat, will er Sara kurzerhand zu seiner Assistentin auf Lebenszeit machen. Sara, die glaubt, dass sich jemand aus ihrer Klasse einen Scherz mit ihr erlaubt, sagt ja. Doch kaum hat sie zugestimmt, ändert sich alles: Plötzlich kann sie merkwürdige Lichter sehen, die jeden Menschen umwabern. Und bevor sie weiß, wie ihr geschieht, drückt ihr der Liebesgott auch noch ein Tablet mit Rezepten für Liebestränke in die Hand. Nur eine Regel gibt es zu beachten: Sara darf den Liebeszauber niemals für sich selbst einsetzen! Aber ein paar Tropfen von dem Liebestrank für den süßen Tom können doch nicht schaden, oder?

Quelle: Ueberreuter


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Autsch! Ich. Wurde. Getroffen. Aber nicht von Amors Pfeil, nein, es war der Pfeil der Enttäuschung, der von einem Dartpfeil in Elfengröße mit jeder Seite dieses Buches mehr auf die Größe eines tollwütigen Elefanten anschwoll.

Diese Kombination aus Buchstaben, die sich so dreist Buch schimpft, hat mit großem Abstand den Preis für das schrecklichste Buch des Jahres gewonnen! Glückwunsch und donnernder Applaus für diese Verschwendung von Speicherplatz!

Für alle, die sich nach dieser Ankündigung noch meine eigentliche Rezension antun wollen, vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Schadenfreude oder vielleicht auch als letzte Warnung, kommen hier auch tatsächlich noch Gründe für dieses Urteil:

Zuallererst wollen wir uns ein bisschen über die Protagonistin auslassen:
Sie heißt Sara und ich hatte sie anfangs so auf 13 geschätzt und hätte diese Schätzung auch ohne jeden Zweifel das ganze Buch hindurch beibehalten, wenn sie nicht plötzlich gemeint hätte, sie sei ja schon SECHZEHN!!! Diese Stelle musste ich mehr als einmal lesen, um diese Information in mein Hirn einsickern zu lassen, aber das war so mit Ungläubigkeit angefüllt, dass nicht mal ein zweiter und ein dritter Blick durch die Schichten aus Verwirrung und Unverständnis dringen konnte.

Wie es sich für einen Teenager gehört, fühlt sie sich von ihren Eltern reichlich missverstanden und kann deren Beweggründe auch ganz allgemein überhaupt nicht nachvollziehen.

„Wie konnten Eltern nur so unsensibel sein? Als ob so eine Trennung nur die Erwachsenen was anging.“ (S.14*)

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Der neue Bestseller

Dieser und noch viel mehr Sätze hören sich an wie geradewegs aus „Pubertät – Wie erziehe ich mein Kind ohne Langzeitschäden? geklaut. Auch das folgende Problem und außerdem buchstäblich Saras einziger Beweggrund überhaupt entspricht dem Paradebeispiel aus dem Kapitel „Rosarote Brille oder erster Freund und wie Sie am besten damit umgehen“.
Darauf ein Zitat:

„Genauer gesagt seit dem Tag, an dem ihr bewusst geworden war, dass sie Tom liebte und dass sie alles dafür tun wollte, damit er sich auch in sie verliebte. Bisher hatte es aber leider nicht funktioniert, Tom und sie waren immer noch nur Freunde. Er kapierte einfach nicht, dass sie mehr für ihn sein konnte.“ (S.7*)

Saras Horizont endet an Toms Sitzplatz, seit mehreren Monaten redet sie sich und ihrer besten Freundin ein, dass sie ihn über alles liebt, er sich aber nicht mehr traut, sie anzusprechen. Und wisst ihr auch warum? Weil sie ihn in der fünften Klasse (!!!) abblitzen ließ. Deshalb ist Mr Sunny Boy immer noch gekränkt und hat mit elf Jahren seine Hoffnung auf eine Beziehung mit ihr tief im Wald vergraben und die Schatzkarte geschreddert.
Die ganze Zeit geht es nur Tom hier – Tom da, was soll ich nur anziehen, Oh Hilfe, er guckt in meine Richtung! Ich hatte ja gehofft, dass diese Phase nach ein paar Kapiteln abgehakt wäre, aber nada, sie zieht sich durchs Buch wie ein Bungee-Seil durch den Abgrund.

Aber damit ist es nicht genug, ihre beste Freundin glaubt wohl, sie habe irgendwie geartete übersinnliche Kräfte, die es ihr ermöglichen, ein allwissendes Pendel zu befragen. Und Sina nimmt ihr das auch noch ab, denn wenn das Pendel sagt, dass sie und Mr Wunderbar zusammengehören, dann muss das ja stimmen, oder nicht?

Muss ich eigentlich noch erwähnen, dass Sara dem Wort Naivität gleich eine ganz neue Bedeutung gibt? Da spricht sie ein wildfremder Typ mit einem Haifischzahn um den Hals an, er kennt ihren Namen und behauptet, er sei der Liebesgott Amor und sie müsse ihm jetzt ganz dringend helfen und seine Assistentin werden und anstatt schreiend davonzulaufen oder zumindest schon mal nach der Praxis des nächstbesten Psychiaters Ausschau zu halten, unterhält sie sich seelenruhig mit ihm und schafft es sogar, diese ganze Aktion als eine Rache für durchgeschnittene Schnürsenkel abzutun!

Irgendwann kauft sie ihm seine völlig beweislose Geschichte inklusive Liebestrank-App fürs Tablet doch tatsächlich ab, hört aber gleichzeitig überhaupt nicht auf seine Warnungen und schlägt sie beim nächsten Blick auf Tommichen völlig in den Wind.

So, genug über dieses arme fiktive Geschöpf gelästert – kommen wir mal zum Ursprung des pinken, hormonüberfluteten Grauens: Die Autorin, auch bekannt als Schöpferin solch wunderbarer Ausdrücke wie „sympathische Wangenknochen“ (S.43*) zeigt sich hier in ihrer Bestform!

Um auf den zukünftigen Bestseller „Pubertät – Wie erziehe ich mein Kind ohne Langzeitschäden? zurückzukommen folgendes zum Schreibstil und anderen Grausamkeiten.

Die folgende Beschreibung würde sich auch in Kapiteln wie „Ein Blick durch die Augen Ihres kleinen Monsters“ problemlos tarnen können.
Saras Schulkameraden sind ganz klischeehaft in Kategorien einzuteilen: Es gibt den uncoolen Streber, den obligatorischen Klassenclown und natürlich die bis zu den Haarspitzen gestylten Lästerschwestern, die ihr ihren Liebling streitig machen wollen und dabei nicht mal vor High Heels und Lippenstift haltmachen. Und schon haben wir ein vollständig ausgestattetes Teenager-Leben, nicht wahr?

All dies wird in einem „altersgerechten“ Schreibstil in die Tastatur gehämmert, denn an „jugendlichen“ Ausdrücken wie „Räuberpistole“ (S.28*), was Woxikon als Synonym für Seenmannsgarn oder (mein persönlicher Favorit) Münchhausiade deutet, mangelt es nicht. Ist ja auch verständlich und sehr zeitgemäß, ich meine, ganz ehrlich, wem von euch ist denn noch nie das Wort Räuberpistole über die Lippen gerutscht?

Wenn ich jetzt noch auf die doch sehr zurückhaltende Logik zu sprechen käme, wäre dieser Beitrag fast länger als das ganze Buch, also nur ein klitzekleines Detail, das mich in meinem Lesevergnügen gestört hat:
WARUM SIND ALLE, WIRKLICH ALLE VON SARAS BEKANNTEN SEELENVERWANDTE?!  SOGAR DER HAUSMEISTER UND DIE POSTBOTIN! WIE WAHRSCHEINLICH IST DAS DENN? UNWAHRSCHEINLICHER ALS EIN AUSHILFSJOB BEI AMOR, WÜRDE ICH MAL SAGEN SCHREIEN!!!!

Wirklich, ich hatte auf eine kurze lustige Story für Zwischendurch gehofft, und ich bekomme DAS?! Diese Geschichte ist wie ein ekelhaft süßer Hubba Bubba – Kaugummi, dessen Größe sich mit jedem Schmatzen verdoppelt bis man ihn irgendwann nur noch auswürgen kann.

Mies!

Mies!

ISBN: 9783764190989

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4 Gedanken zu „Cupida – Mitten ins Herz

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