To all the boys I´ve loved before

„Woher soll ich denn wissen, was echt ist und was nicht? Es kommt mir so vor, als wäre ich die Einzige, die den Unterschied nicht kennt.“*

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To all the boys I´ve loved before
Bildquelle: der OnleiheVerbundHessen

  • Autorin: Jenny Han
  • Genre: Love-Story
  • Reihe: To all the boys I´ve loved before – Reihe#1
  • deutsche Ausgabe: 2016 bei Hanser

Lara Jean, 16, war schon mal so richtig verliebt. Fünf mal sogar, um genau zu sein, sogar in den Freund ihrer großen Schwester, aber mit keinem der Jungen hatte sie je eine Beziehung, nein, sie hat sie nur aus der Ferne beobachtet oder war ihre gute Freundin. Wenn sie nicht mehr in den Jungen verliebt sein will, schreibt sie einen Liebesbrief an ihn, in dem sie sich so richtig das Herz ausschüttet, jeder geheime Gedanke, jede genaue Beobachtung wird niedergeschrieben. Dann steckt Lara Jean den Brief in einen Umschlag, adressiert ihn und legt ihn in ihre Hutschachtel, denn der Junge soll ihn nie und unter keinen Umständen erhalten.

„Wenn Liebe so was wie Besessenheit ist, dann sind meine Briefe für mich die Teufelsaustreibung. Meine Briefe machen mich frei. Zumindest in der Theorie.“ (S.9*)

Lara Jeans Mutter ist vor sechs Jahren gestorben und seitdem kümmern sie und ihre große Schwester Margot sich um die kleine Kitty und um den Haushalt, eigentlich alles, denn ihr Vater hat als Arzt auch immer viel zu tun. Margot ist die Vernünftige, Selbstbewusste Schwester, die immer weiß, was zu tun ist, aber sie zieht nun zum Studium nach Schottland und lässt die beiden Schwestern allein zurück. Jetzt muss Lara Jean auf einmal dafür sorgen, dass Kitty rechtzeitig zur Schule kommt und kein Schwimmturnier verpasst. Sie fühlt sich unzulänglich und abhängig von ihrer Schwester, ist unsicher und kann noch nicht mal richtig Auto fahren.

Als wäre die Situation im Moment nicht schon anstrengend genug, passiert das Unglaubliche: Lara Jeans geheime Liebes-/Abschiedsbriefe werden abgeschickt und erreichen ihren Empfänger.

„Den Traum, dass ich nackt zur Schule komme, hatte ich schon.
Auch den Traum, dass ich nackt zur Schule komme, nicht für die Prüfung gelernt habe und auf einmal in die Combo soll, für die ich mich nie gemeldet habe, diese Nackt-zum-Examen-wo-der-Mörder-schon-wartet-Combo. Doch das hier toppt alles.“ (S.68-69*)

Die Situation ist so unglaublich peinlich, dass Lara Jean ohne eine Ahnung von den Folgen zu haben, etwas sehr, sehr Dummes tut, das ihr ganzes Problem nur noch viel, viel schlimmer macht…

„Dies ist ein Horrorfilm. Mein Leben hat sich in einen Horrorfilm verwandelt.“ (S.74*)


Nun ja, was soll ich sagen? Eine Rezension zu diesem Buch ist in letzter Zeit auf so ziemlich allen Bücherblogs schon mal aufgetaucht. Und diese Rezensionen waren alle ziemlich positiv. Und das wiederum hat mich beim Lesen leider mit der Zeit immer mehr gewundert und mir statt dem erwarteten Lächeln nur ein genervtes Stirnrunzeln oder einen noch viel genervteren Seufzer entlockt. Schade um die Zeit, da hätte ich so viel bessere Bücher lesen können…

Fangen wir doch mal bei Lara Jean an: Dieses Mädchen will 16 sein, verhält sich aber in meinen Augen wie eine 13-jährige, die gerade mit voller Wucht von einer Ladung Hormone getroffen wird. Man merkt ziemlich schnell, dass sie in keinen der Jungen wirklich verliebt war oder ist, das Ganze ist vielmehr eine Teenager-Schwärmerei aus sicherer Entfernung aber sie tut so als hätte sie die alle heiraten können. Mindestens. Von dem Gedanken für längere Zeit von zu Hause wegzugehen ist das Mädchen total entsetzt und einfach der traurige Kann-nicht-über-den-Tellerrand-sehen-und-bemerkt-es-noch-nicht-mal-Typ oder anders gesagt ein akuter Fall von geistiger Kurzsichtigkeit. Lara Jean beschreibt sich selbst als die Emotionale, die Flatterhafte der Familie und das kann ich nur unterschreiben, vielleicht noch mit dem Kleingedruckten

„Subjekt ist auch fähig zu dummen, hirnlosen Aktionen, die ja zu Schwierigkeiten führen MÜSSEN.“

Man sagt ja immer, dass man sich mit dem Protagonisten identifizieren können soll. In diesem Sinne kann ich das offiziell überhaupt nicht.

Wenn man das alles so liest, könnte man meinen das Ganze sei durchweg eine Love-Story, aber falsch gedacht. Zunächst einmal ist es ja eine gute Sache, wenn sich die Autorin nicht zu sehr auf eine Handlung fixiert und dann vor lauter Wald die Bäume nicht mehr sieht, aber hier ist das irgendwie ein bisschen too much. Ich hatte das Gefühl, dass auf den ersten hundert Seiten nur sehr sporadisch auf die Briefe eingegangen wurde, sondern vielmehr das alles verändernde Ereignis vom Weggang ihrer Schwester geschildert wird. Ja wir halten immer zusammen. Ja, warum nicht noch eine berührende Geschichte aus der Zeit, als wir noch klein waren? Ja, wir sind etwas besonderes. Ich bin soooo traurig, es ist als würde ich dich nie wieder sehen *schnief*. Ach, habe ich schon erwähnt, dass wir die allerbesten Schwestern auf der ganzen Welt sind? Ja, gut, ich habe verstanden, dass ihr es nicht leicht hattet und dass ihr euch ganz doll lieb habt, aber ihr müsst es mir nicht so lang unter die Nase reiben, dass es mir schon wieder aus den Ohren rauskommt.
Das hat vielleicht genervt. Irgendwann habe ich die Seiten nur noch überflogen und gehofft, dass jetzt endlich mal die spannenden Kapitel kommen. Taten sie aber nicht. Stattdessen folgte auf die Langeweile eine so intensive Vorhersehbarkeit, dass ich vom innerlichen Kopfschütteln schon fast Nasenbluten bekommen hätte. Ich war bestimmt nicht weit davon entfernt. Ich meine, da hofft man auf eine etwas andere Love-Story, einen Leckerbissen sozusagen und bekommt letztendlich doch nur die Cafeteria-Möhrensuppe, die schmeckt wie schon mal gegessen. Das Ganze erinnert mich so dermaßen auffällig an „Und er steht doch auf dich“ und wahrscheinlich so ziemlich jedes „originelle“ Mädchenbuch, dass ich mich fragen muss, wer den Autoren die Kreativität geklaut hat.
Falls du es warst, gib sie ihnen bitte wieder zurück.
Höchst dankbar, wenn auch wütend
Die gesamte Leserwelt

1-stern

Mies!

Übrigens: Zufälligerweise weiß ich viele Dinge und an einem davon werde ich euch in meiner Großzügigkeit jetzt teilhaben lassen: Der zweite Teil der Serie existiert schon, wurde aber noch nicht übersetzt wie´s aussieht und trägt den klangvollen Titel „P.S. I still love you“, der mich ja mal so gar nicht an diesen Film erinnert, den ich nie gesehen habe, aber der wohl „P.S. I love you“ oder so ähnlich heißt. Hallo Originellität, lange nicht gesehen, wir haben dich vermisst.
Die Rezension dazu müsst ihr wohl woanders lesen, ich tue mir das nicht an.

Wie es sich so liest, wird Jenny Han es wohl nie in meine Pralinenschachtel schaffen, aber dafür findet ihr sie hier auf Facebook, aber das kann ja jeder.

*ISBN: 978-3-446-25435-0

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14 Gedanken zu „To all the boys I´ve loved before

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